Mittwoch, 15 Oktober 2014 12:41

Exponat des Monats Oktober

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Singendes Wolfhagen. Die Ballotage des Gesangvereins Liedertafel

Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder ist als geflügeltes Wort allgemein bekannt. Und wenn es danach geht, spricht nichts gegen eine Ansiedlung in Wolfhagen. Die Aktivitäten um Bezirkskantor Bernd Geiersbach sind zumindest für Kirchgänger unübersehbar, laufen doch die Vorbereitungen für sein Musical Lux Aeterna, das am 24.10. startet, auf Hochtouren. Und auch die Wilhelm-Filchnerschule fördert in verschiedenen Arbeitsgruppen Sin(g)foniker. Dass die Wolfhager Musik lieben, wird nicht zuletzt durch das jährlich in den Teichwiesen aufgebaute Kulturzelt deutlich. Im letzten Jahr war sogar eine Nacht der Chöre im Programm.

In der Chorvereinigung Wolfhagen dagegen singt seit dem Jahr 2002 keiner mehr.
Und ganz allgemein kann vermerkt werden, dass Gesangvereine und Chöre unter erheblichem Nachwuchsmangel leiden. Der Musikgeschmack hat sich verändert. Man ist im Zeitalter elektronischer Medien nicht mehr unbedingt darauf angewiesen, selbst zu musizieren, will man Musik hören.
Das war im vorletzten Jahrhundert anders, man musste selbst zur Tat schreiten: Es ist bekannt, dass im Jahr 1863 zwei Wolfhager Chöre bei einer Veranstaltung sangen. Der Gesangverein Liedertafel wurde 1874 gegründet, der Gesangverein Eintracht im Jahr 1888 und der Arbeitergesangverein Frohsinn im Jahr 1921. Ebenfalls in den 1920er Jahren hatte sich ein Frauenchor der Evangelischen Kirche zusammengefunden. Er schloss sich 1929 mit der Liedertafel zum ersten gemischten Chor Wolfhagens zusammen. Davor durften in den Gesangvereinen nur Männer singen. Und auch nicht jeder Mann wurde aufgenommen.
Davon, dass nicht jeder Mann bei der Liedertafel singen durfte, legt unsere Exponat des Monats die Ballotage Zeugnis ab. Es handelt sich um einen rechteckigen Kasten auf dessen Deckel ein schwarzer und ein weißer Einwurfschacht aufgesetzt sind.
Der Kasten selbst ist rotbraun lasiert und mit farbigen Schnitzereien verziert. Zentrales Element auf der Vorderseite ist eine goldfarbige Engelsharfe. Mit Hilfe dieser Ballotage wurde beim Gesangverein Liedertafel darüber abgestimmt, ob der Anwärter aufgenommen werden sollte oder nicht. Schwarze Kugeln bedeuteten ein Nein, weiße ein Ja.
Liedertafel und Eintracht schlossen sich jedenfalls 1933 – nicht ganz freiwillig – zur Chorvereinigung Wolfhagen zusammen. Der Arbeitergesangverein Frohsinn wurde aufgelöst, einzelne Mitglieder machten bei der neuen Chorvereinigung mit. Hintergrund für diese Umstrukturierungen war ein Erlass des Deutschen Sängerbundes aus dem Jahr 1933, der Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohnern, nur einen Gesangverein gestattete. Unter nationalsozialistischer Herrschaft erlahmte die Vereinsarbeit und kam während des 2. Weltkrieges ganz zum Erliegen. Doch bereits ein Jahr nach Kriegsende schlossen sich wieder Sänger zusammen – unter dem Dach des Turn- und Sportvereins – da die Besatzungsmächte jeder Gemeinde zunächst nur einen Verein gestattete. Zwei Jahre später war man dann mit der Chorvereinigung Wolfhagen wieder selbständig. Es wurde nun bis zum Jahr 2002 als gemischter Chor gesungen.

Beate Bickel

Weitere Informationen:  Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/992431, www.regionalmuseum-wolfhager-land.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Gelesen 7227 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Oktober 2014 12:52

Veranstaltungen

Jahresplanung 2021

Sonntag, 16. Mai, 14 bis 17 Uhr, Veranstaltung wird verschoben auf Juli, Termin wird noch bekannt gegeben
Internationaler Museumstag, Museumseintritt frei, Sonderführungen
Musikveranstaltung mit Pedro Soriano und Voz Latina, Wolfhagen Istha
Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstraße 1, Open Air

Ab Dienstag, 25. Mai, ab 10 Uhr dezentrale Eröffnung
bis Sonntag, 29. August
Ausstellung: Zwei Künstler aus dem Wolfhager Land: Lippold von Steimker und Lothar Spohr
Ort: Zehntscheune des Regionalmuseums Wolfhager Land, Ritterstraße 1

Dienstag, 13. Juli, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Dirk Ziesing, Bochum: Wolfhagen und der deutsch-französische Krieg vor 150 Jahren
Ort: Stadthalle Wolfhagen, Kurfürstenstraße 20
Eintritt: 3 €

Donnerstag, 9. September, 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung
bis 7. November
Ausstellung: Was Sie schon immer über Hans Staden wissen wollten!
Evtl: Musik Pedro Soriano und Voz Latina aus Istha
Ort: Zehntscheune des Regionalmuseums Wolfhager Land, Ritterstraße 1

Dienstag, 28. September, 19.00 Uhr
Vortrag: Dr. Franz Obermeyer, Kiel: Das neu entdeckte Original von Stadens Warhaftiger Historia in Halle.
Ort: Stadthalle Wolfhagen, Kurfürstenstraße 20
Eintritt: 3 €

Dienstag, 19. Oktober, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Neuwen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren.
Ort: Stadthalle Wolfhagen, Kurfürstenstraße 20
Eintritt: 3 €

Freitag, 05. November, 19.00 Uhr

Lesung: Thomas Fischermann, Hamburg und Rio de Janeiro: Der letzte Herr des Waldes. Ein Indianerkrieger aus dem Amazonas erzählt vom Kampf gegen die Zerstörung seiner Heimat und von den Geistern des Urwalds
Ort: Stadthalle Wolfhagen, Kurfürstenstraße 20
Eintritt: 8 € In Kooperation mit der VHS Region Kassel und der Buchhandlung Mander, Wolfhagen

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende. Bei der Lesung mit Thomas Fischermann ist der Eintritt für diese Personengruppen auf 4 € reduziert.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.