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Donnerstag, 06 August 2015 11:46

Exponat des Monats August

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In Altenstädt begnügte man sich damit, den Täter an den Händen gefesselt anzuprangern. In Niederelsungen wurde der Delinquent am Hals angekettet. Links im Bild: Hermann Neumeyer, rechts: Wolfgang Schiffner In Altenstädt begnügte man sich damit, den Täter an den Händen gefesselt anzuprangern. In Niederelsungen wurde der Delinquent am Hals angekettet. Links im Bild: Hermann Neumeyer, rechts: Wolfgang Schiffner Beate Bickel

Als Schande noch für jeden sichtbar gemacht wurde oder
„An den Pranger“ gestellt
Zwei Schandpfähle im Regionalmuseum Wolfhager Land

Von Beate Bickel

Auf den ersten Blick sehen sie harmlos aus: Zwei hölzerne Pfähle, die in der Abteilung „Der Bürger in der Gesellschaft“ in unserem Regionalmuseum Wolfhager Land ausgestellt sind. Schaut man jedoch genauer hin, bemerkt man, dass an dem Einen zwei eiserne Handschellen an Ketten befestigt sind. An dem Anderen entdeckt man eine größere eiserne Schelle, die ebenfalls an einer Kette hängt. Und schon schwant einem nichts Gutes...

Tatsächlich handelt es sich um zwei Schandpfähle: der mit den Handschellen stammt aus Naumburg-Altenstädt, der mit der größeren für den Hals bestimmten Schelle aus Wolfhangen-Niederelsungen. Die Pfähle waren ursprünglich etwa 60 cm tief in die Erde eingegraben. Sie mussten stabil sein, um dem Delinquenten ein Entkommen - unter Umständen mitsamt dem Pfahl - unmöglich zu machen. Aufgestellt waren sie mitten auf den Dorfplätzen der Gemeinden, schließlich sollten sie für Jeden gut sichtbar sein. Ihr Zweck war ja, Schande sichtbar zum machen, denn das Angeschaut werden, die bösen Blicke, möglicherweise zusätzlich das Kommentieren des Vergehens oder gar das Beschimpfen oder lustig machen, war letztlich die Strafe für die angeprangerte Person. Hinzu kam die Witterung: Große Hitze musste ebenso ertragen werden wie eisige Kälte, Regen, Gewitter oder Schnee.
An den Pranger gestellt zu werden, war Teil des früheren Rechtssystems. Vom Spätmittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein wurden gerichtlich verurteilte Straftäter auch auf diese Weise bestraft. Die so geahndeten Vergehen galten allerdings als minder schwer. Kleinere Diebstähle, Körperverletzung oder Verleumdung konnten dazu führen, für mehrere Stunden am Schandpfahl angekettet zu werden. Diese Art der Strafe scheint jedenfalls äußerst eindrücklich gewesen zu sein: Noch heute versteht jeder sofort die Redensart "An den Pranger stellen" oder "Jemanden anprangern" auch ohne jemals Zeuge dieser urtümlichen Bestrafungsart gewesen zu sein.

Weitere Informationen:  Regionalmuseum Wolfhager Land, 05692/992431, www.regionalmuseum-wolfhager-land.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.



Gelesen 8178 mal Letzte Änderung am Dienstag, 01 Dezember 2015 15:42