Sonntag, 09 Juni 2013 15:22

Exponat des Monats Juni 2013

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Die beiden in unserem Museum ausgestellten Röstpfannen aus Eisenblech mit integriertem Rührwerk stammen aus der Zeit um 1900. Der Kurbelmechanismus setzt einen Rührstab in Gang, der die Kaffeebohnen am Boden des Gerätes bewegt, so dass sie nicht anbrennen und von allen Seiten gleichmäßig geröstet werden. Für den Röstvorgang stellte man die Pfannen in die offene Glut einer Feuerstelle oder eines Ofens, beziehungsweise in die Ringöffnung eines Kohleherdes. Die grünlich-gelben Rohbohnen mussten so lange erhitzt werden, bis sie aufbrachen, sich um ein Drittel vergrößerten und eine braune Farbe annahmen. Während dieses Prozesses entfalteten sie ihr charakteristisches Kaffeearoma. Der Röstvorgang dauerte – je nach gewünschtem Bräunungsgrad - etwa zwanzig Minuten. Danach mussten die Bohnen auskühlen, bevor sie in einer Handmühle gemahlen und schließlich aufgebrüht werden konnten.  Die beiden in unserem Museum ausgestellten Röstpfannen aus Eisenblech mit integriertem Rührwerk stammen aus der Zeit um 1900. Der Kurbelmechanismus setzt einen Rührstab in Gang, der die Kaffeebohnen am Boden des Gerätes bewegt, so dass sie nicht anbrennen und von allen Seiten gleichmäßig geröstet werden. Für den Röstvorgang stellte man die Pfannen in die offene Glut einer Feuerstelle oder eines Ofens, beziehungsweise in die Ringöffnung eines Kohleherdes. Die grünlich-gelben Rohbohnen mussten so lange erhitzt werden, bis sie aufbrachen, sich um ein Drittel vergrößerten und eine braune Farbe annahmen. Während dieses Prozesses entfalteten sie ihr charakteristisches Kaffeearoma. Der Röstvorgang dauerte – je nach gewünschtem Bräunungsgrad - etwa zwanzig Minuten. Danach mussten die Bohnen auskühlen, bevor sie in einer Handmühle gemahlen und schließlich aufgebrüht werden konnten.

Ein Luxusgetränk namens Kaffee

 „Deutschland ist ein Kaffeeland“, hieß es kürzlich in einer Presseerklärung des Deutschen Kaffeeverbandes. Danach hat im Jahr 2012 jeder Bundesbürger im Durchschnitt 149 Liter Kaffee getrunken, deutlich mehr als Wasser oder Bier.


Aus unserem Alltag ist das stimulierende Getränk tatsächlich nicht mehr wegzudenken,  weckt es doch die Lebensgeister nach dem Aufstehen, fördert die Konzentration am Arbeitsplatz und ist Muntermacher nach der Mittagspause. Keine Geburtstagstafel ohne Kaffeeduft! Kaffee ist heute uneingeschränkt verfügbar und erschwinglich für jeden Geldbeutel, ob als ganze Bohnen, löslich oder in portionierten Pads. Die Kaffeeindustrie sorgt für seine rasante Verbreitung und immer einfachere, Zeit sparende Methoden seiner Zubereitung.

Wie schwer es ist, sich der Verführungskraft des anregenden Getränks zu entziehen, wussten schon unsere Vorfahren. Im späten 18. Jahrhundert hätte hierzulande der betörende Duft frisch gebrauten Kaffees jedoch nicht nur die Liebhaber der braunen Bohnen in Entzücken versetzt, sondern auch die Staatsdiener in Uniform auf den Plan gerufen. Ab 1766 waren mehrfach Verordnungen erlassen worden, die sowohl den Kaffeekonsum als auch das private Rösten der teuren Kaffeebohnen reglementierten, für die unteren Stände sogar untersagten.


Landgraf Friedrich II. von Hessen war, wie alle Landesfürsten seiner Zeit,  Anhänger des merkantilistischen Wirtschaftssystems, das sich auszeichnete durch das Prinzip: viel exportieren, möglichst wenig importieren. Ausgaben für Kaffee und andere „Luxusimporte“ wurden als überflüssig, vor allen Dingen aber als schädlich für den Reichtum des Landes angesehen. Das Geld sollte im Lande bleiben und für einheimische Erzeugnisse ausgegeben werden - in diesem Falle für Roggen, Malz und Bier.  Da die Untertanen jedoch weder bereit waren, gänzlich auf den Genuss von Bohnenkaffee zu verzichten, noch seinen durch hohe Zölle ständig steigenden Preis zu bezahlen,  blühte der Schmuggel mit den Rohbohnen aus dem Ausland .

Spiekershausen, das idyllische Dörfchen an der Fulda, avancierte in den Zeiten der hessischen „Kaffeeprohibition“ zum Schmugglernest,  profitierte es doch von seiner günstigen Grenzlage zwischen Hessen-Kassel und dem Königreich Hannover. Dort war, bedingt durch die enge Verbindung zur Handelsnation England, die begehrte Ware billiger und leichter zu haben. Als Reaktion auf das gesetzwidrige Verhalten seiner Untertanen brachte nun der hessische Landgraf, wie vor ihm Friedrich der Große im Königreich Preußen, eigens geschulte „Kafferiecher“ zum Einsatz, die schnüffelnd Städte und Dörfer durchstreiften, um festzustellen, ob irgendwo der Duft illegal gerösteter Kaffeebohnen aufstieg.

Die landgräflichen Fahnder verschafften sich Zugang zu Häusern und Wohnstuben, spionierten in Küchen und Speisekammern, durften sogar die Kleider der Frauen beschnuppern, um den Besitz der Schmugglerware nachzuweisen. Drakonische Strafen wurden verhängt, die Kaffeevorräte beschlagnahmt und sämtliche für die Zubereitung notwendigen Gerätschaften aus dem Verkehr gezogen.

Um 1800 schließlich waren die Restriktionen aufgehoben und Bohnenkaffee wurde jedem zugänglich, der ihn sich leisten konnte. In vielen Haushalten fanden Röstpfannen und Rösttrommeln noch bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts Verwendung, waren Rohbohnen vom Kolonialwarenhändler stets preiswerter als der kommerziell geröstete und fertig abgepackte Bohnenkaffee. Auch in Notzeiten, besonders während der beiden Weltkriege, waren sie von großem Nutzen: Man röstete darin Getreidekörner wie Roggen und Gerste oder die Wurzeln der Wegwarte (Zichorie) als Ersatz für die nicht verfügbaren „echten“ Kaffeebohnen.

Annette Schaub-Böttcher

Kontakt: www.regionalmuseum-wolfhager-land.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

Gelesen 31600 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2013 15:27

Veranstaltungen

Jahresprogramm 2018

Soweit nicht anders angegeben, finden alle Veranstaltungen in der Zehntscheune des Regionalmuseums statt.

Mittwoch, 26. September, 19.30 Uhr

Vortrag: Bernhard Balkenhol, Kassel: Was kann Kunst?
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Mittwoch, 15. August, 19.30 Uhr Vernissage
16. August bis Sonntag 14. Oktober
Ausstellungseröffnung: Jochen Haase und Tasso Minkner, Aquarelle und Ölbilder

Dienstag, 29. Mai, 19 Uhr
Ausstellungeröffnung: Hans Staden und wir: Wie sich alles wandelte. WPU-Kunst Klasse 10 stellt aus. Die Wilhelm-Filchner-Schule zu Gast im Regionalmuseum. 30.5. bis 5.6.

Sonntag, 13. Mai, Internationaler Museumstag
14-16 Uhr „Ein Tag für die Kunst“. Wir malen uns die Welt, wie sie uns gefällt… mit Finktastico: Anfertigung von Sandbildern.
16-17 Uhr Vortrag: Lippold von Steimker: Bildende Kunst in Wolfhagen, bildende Kunst aus Wolfhagen, Teil 1.
Eintritt frei!

Mittwoch, 6. Juni, 19.30 Uhr
Vortrag: Tasso Minkner, Naumburg: Bildende Kunst in Wolfhagen, bildende Kunst aus Wolfhagen, Teil 2
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Freitag, 31. August, 19.30 Uhr
Vortrag: Herbert Ruland: Die Menschen im Grenzland und der Große Krieg. Eröffnungsvortrag Friedenswochen (bis 23. September) des ev. Kirchenkreises + Kooperationspartner in der Wilhelm-Filchner-Schule


 

 

 

Donnerstag, 1.März, 19.30 Uhr
Vortrag: Anne Harmssen, Kassel, Leiterin der Restaurierungswerkstätten der Museumslandschaft Hessen Kassel: Die Kunst, Kunst zu erhalten
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Donnerstag, 22. März, 19.30 Uhr
Musikalisch-literarische Revue: Jochem Wolff, Dr. Klaus-Peter Lorenz, Julia Reingardt: Von der Stunde Null zum Wirtschaftswunder
8 €

Donnerstag, 19. April, 19.30 Uhr
Vortrag: Prof. Dr. Sabine Thümmler, Berlin: Design-Ikonen auf den documenta-Ausstellungen
3 €, für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten frei

Mittwoch, 25. April, 19.30 Uhr Vernissage
26. April bis 24. Juni
Sonderausstellung: Malerei von Wolfram Aust, Kassel

 



Alle Veranstaltungen in Kooperation mit der VHS Region Kassel und freundlicher Unterstützung der Kasseler Sparkasse und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel. Die Ausstellungen mit Unterstützung des Hess. Museumsverbandes. Vielen Dank!