Mittwoch, 04 September 2013 13:29

Exponat des Monats September

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Die Ährenleserinnen

Noch vor kurzer Zeit sah man, fuhr man über Land, überall mächtige Staubwolken. Die Getreideernte war in vollem Gange. Manch eiliger Autofahrer mag sich zudem über die relativ langsam fahrenden Traktoren und Mähdrescher geärgert haben. Diese Zeit ist nun vorbei, es ist vorübergehend Ruhe eingetreten, die Ernte ist unter Dach und Fach.



Menschen sieht man eigentlich nicht, wird in heutiger Zeit Getreide geerntet. Das Bild wird beherrscht von eindrucksvollen Erntemaschinen, den Mähdreschern. Ebenso riesige Zugmaschinen, meist mit zwei großen Anhängern, transportieren das Korn an seinen jeweiligen Bestimmungsort. Die Landwirte ernten häufig genug nicht mehr selbst, Lohnunternehmer verrichten die Arbeit, denn die rationell arbeitenden Maschinen können sich die wenigsten landwirtschaftlichen Betriebe leisten.

Dem genauen Beobachter mag allerdings – vielleicht bei einem Spaziergang - aufgefallen sein, dass auf den abgeernteten Feldern viele Körner und ganze Ähren zwischen den Stoppeln liegen geblieben sind. In Zeiten der industrialisierten Landwirtschaft geht es um Schnelligkeit.

Schnell musste die Ernte auch in früheren Zeiten eingebracht werden. Regenwetter konnte schon immer für eine Verknappung der Zeit sorgen. Dass jedoch Frucht auf den Feldern liegen blieb, kam nicht vor. Davon erzählt unser Exponat des Monats.

Jean-Francois Millet malte sein Bild – Öl auf Leinwand – im Jahr 1857. Es zeigt drei gebückt arbeitende Frauen, die auf einem riesigen Feld  mühsam einzelne Halme aufsammeln. Die eigentliche Ernte ist bereits verladen, im Hintergrund sieht man den zur Abfahrt bereit stehenden, voll beladenen Wagen. Die Frauen zählen zu den Armen, denen es erlaubt war, die liegengebliebenen  Ähren für sich einzusammeln.

Das Bild im Regionalmuseum Wolfhagen ist ein jüngerer Nachdruck und wurde uns dankenswerterweise von Georg Kuhhaupt aus Ehringen zur Verfügung gestellt. Es wurde vermutlich um 1900 mit Hilfe der noch neuen Technik der Chromolithographie – dem Farbsteindruck - hergestellt. Denn erst mit Einführung der Steindruckschnellpresse seit den 1870er Jahren wurde es möglich Farbabbildungen in hohen Auflagen zu produzieren.

Die Ährenleserinnen – neben anderen Bildern Millets - gehörten bis in die 1930er Jahre zu den Erfolgsdrucken schlechthin. Das Motiv war in verschiedenen Größen und sogar in unterschiedlichen Farbrichtungen zu erwerben. Ein Hinweis für die Bedeutung des Themas?

Rund hundert Jahre später war das Ährenlesen jedenfalls noch immer, oder wieder, Thema, wie sich Bernd Klinkhardt, ehrenamtlicher Museumleiter im Regionalmuseum Wolfhager Land erinnert. Die von ihm zur Verfügung gestellte Fotografie zeigt seine Familie mit ihrer Ausbeute im Jahr 1948. Er selbst ist zwar nicht mit abgelichtet, doch war er in der Regel selbstverständlich auch mit dabei.

Beate Bickel

Abb 2 Small
Der ehrenamtliche Museumleiter Bernd Klinkhardt erinnert sich noch gut an das Ährenlesen in seiner alten Heimat in der Nachkriegszeit. Die Abbildung zeigt v. l. seine Schwester Gisela und seine Eltern Theodor und Margarete Klinkhardt im Jahr 1948 im thüringischen Dorf Nazza in der Nähe von Eisenach.



Kontakt: www.regionalmuseum-wolfhager-land.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

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Veranstaltungen

-Jahresprogramm 2022-

Donnerstag, 15. September, 18 Uhr bis 30. Oktober
Sonderausstellung: „Wen interessiert denn sowas? Hans Stadens Brasilienreisen im 16. Jahrhundert; 18 Uhr Ausstellungseröffnung, Open-Air-Veranstaltung mit Pedro Soriano und Kollegen, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 27. September, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Franz Obermeier, Kiel: Das neu entdeckte Original von Stadens Warhaftiger Historia in Halle (Arbeitstitel). Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 18. Oktober, 19.00 Uhr
Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Newen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 8. November, 19 Uhr
Vortrag: Klaus Lindenmeyer, Mainz: „Vom Einzeller zum Sapiens, oder: Was haben wir von wem?“. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 15. März, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Jürgen Römer, Korbach: Armenien – Land zwischen Orient und Okzident. Ort: Sitzungssaal Hotel-Restaurant-Café „Altes Rathaus“, Kirchplatz 1,  Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung erforderlich: Museum: Tel. 05692-992431; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Sonntag, 15. Mai (Internationaler Museumstag)
Sonderausstellung bis 14. Juli: „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“, mit Blick auf „Schönheit im Wolfhager Land“
14:00 Uhr Ausstellungseröffnung: 14 Uhr; Open-Air-Veranstaltung, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Axel Lindloff, Edertal: Von der Last des Rasierens bis zur Lust des Barttragens – ein Blick auf männliche Schönheitsideale des 19./20. Jahrhunderts und das Wolfhager Friseurhandwerk. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel


Alle Veranstaltungen finden unter Einhaltung der jeweils aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen statt.

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.