Mittwoch, 03 Juni 2015 11:58

Exponat des Monats Juni

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Das Album von Elise Urhahn (?) aus den Jahren 1858/59 (links), im Hintergrund das Büchlein von Anna Leister aus der Zeit von 1890-1905 und im Vordergrund das Exemplar von Elisabeth Hardt, in das Familie und Freunde von 1917 bis 1920 ihre Verse eintrugen. Das Album von Elise Urhahn (?) aus den Jahren 1858/59 (links), im Hintergrund das Büchlein von Anna Leister aus der Zeit von 1890-1905 und im Vordergrund das Exemplar von Elisabeth Hardt, in das Familie und Freunde von 1917 bis 1920 ihre Verse eintrugen. Bickel

„Zur freundlichen Erinnerung an Deine...“
Poesiealben im Regionalmuseum Wolfhager Land

Von Beate Bickel

„Willst du immer weiter schweifen,
Sieh, das Gute liegt so nah,
Lerne nur das Glück ergreifen,
denn das Glück ist immer da."

Diesen Vers schrieb im Januar 1920 Lina Palatz aus Wolfhagen in das Album ihrer Freundin Elisabeth Hardt.

Das Album, ein Poesiealbum, gehört zu einem ganzen Konvolut an Schätzen aus Papier, die der ehemalige Wolfhager Apotheker Karl-Wilhelm Heisen unserem Museum überließ. Darunter befanden sich auch drei Poesiealben. Alle drei stammen vermutlich aus seiner Familie mütterlicherseits und sind ganz besondere Schmuckstücke.
Die Bücher sind - wie bei dieser Art Alben früher üblich - im Oktavformat, also rund 20 mal 13,5 cm groß. Drei Poesiealben unterschiedlichen Alters: Das älteste, rund 150 Jahre alt, der früheste Eintrag datiert auf den 22. Januar 1858, ist mit Deckeln aus schwarzem, geprägten Leder versehen und trägt schlicht die Aufschrift „Album“, allerdings goldfarbig ausgemalt und ist ein Querformat. Vermutlich gehörte es Elise Urhahn, der Urgroßmutter des Stifters. Der Vorname Elise wird jedenfalls mehrfach in den Widmungen erwähnt. Elise hielt sich in den Jahren 1858/59 in Marburg auf, denn der Großteil der Einträge nennt Marburg als Ortsangabe. In den Widmungen wird zusätzlich häufig der Heimatort der Schreiberin genannt: Schreiberin, denn mit zwei Ausnahmen haben ausschließlich Frauen ihre Worte der Freundschaft hinterlassen. Die ausgewählten Gedichte sind lang, gehen teilweise über zwei Seiten und wurden in ausgesprochener Schönschrift verfasst. Unterschrieben sind fast alle Einträge mit „deine dich liebende“ oder in der Steigerung „deine dich innig liebende Freundin“ oder auch „Cousine“.
Das zweite Album stammt vom Ende des 19. Jahrhunderts und gehörte Anna Leister, der kleinsten Schwester aus dem „Dreimädelhaus Leister“ in Wolfhagen, später verheiratete Dohme. Sie war die Großtante unseres Spenders Karl Wilhelm Heisen. Das Büchlein ist ebenfalls mit Deckeln aus geprägtem Leder ausgestattet. Zeitlich stammen die Einträge von 1890/91 und dann noch einmal aus dem Jahr 1905. Die Gedichte sind teilweise identisch mit denen aus dem rund dreißig Jahre älteren Exemplar. Die neu hinzugekommenen sind wesentlich kürzer. Dafür sind einigen Beiträgen kleine Zeichnungen hinzugefügt. Einige sind mit „Pensionsschwester“ und der Ortsangabe „Kassel“ unterzeichnet und zusätzlich mit den Heimatorten der Freundinnen versehen, ein Hinweis darauf, dass auch Anna Leister vermutlich zum Zweck der Erziehung und Bildung eine Zeit in Kassel verbrachte. Die Widmungen sind meist nicht mehr ganz so gefühlsbetont wie in unserem älteren Exemplar.
Unser jüngstes Büchlein gehörte Elisabeth Hardt, der Mutter von Karl Wilhelm Heisen. Es ist mit Deckeln aus geprägter und gefärbter Pappe versehen und zum Schutz in Pergamentpapier eingeschlagen. Hier umfassen die Einträge die Jahre von 1917 bis 1920. Es handelt sich um das Album eines jungen Mädchens. Elisabeth war acht Jahre alt, als sie es begann. Die auch hier in Schönschrift eingetragenen Verse sind kurz, häufig nur Vierzeiler, sie erinnern eher an Sinnsprüche. Dafür sind die Seiten reich geschmückt mit sogenannten Glanz- oder Lackbildern, die um die Jahrhundertwende ganz groß in Mode waren. Auch hier stammen die Einträge vornehmlich aus weiblicher Hand. Die Widmungen klingen dagegen fast nüchtern. Jetzt heißt es meist lediglich: „Zur freundlichen Erinnerung...“
Heute, so Barbara Seidler vom Wolfhager Schreibwarengeschäft in der Schützeberger Straße, gibt es neben den traditionellen Poesiealben die sogenannten Freundschaftsbücher. Hier sind es nicht mehr Gedichte, sondern persönliche Daten und Vorlieben des Eintragenden, die auf entsprechend vorgedruckten Seiten ausgefüllt werden. Die Nachfrage nach Poesiealben besteht allerdings parallel weiter. Häufig sind es jetzt eher Sprüche, auch ´mal der Beginn eines englischen Liedtextes, die die gefühlsbetonten Texte und Verse des 19. und frühen 20. Jahrhunderts abgelöst haben. „Mädchenkram“ ist es allerdings geblieben.


Gelesen 10441 mal Letzte Änderung am Dienstag, 01 Dezember 2015 15:45

Veranstaltungen

Während der Wochenenden im Januar bleibt das Museum geschlossen.

Ab Februar können Sie unser Museum zu den gewohnten Öffnungszeiten besuchen:

Di.-Do. 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Sa. u. So. 14-17 Uhr.

 

--Veranstaltungen 2024--

 

Sonntag, 10. März, 15 Uhr 

Erzählcafé

Zum Thema: Magie und Aberglaube im Wolfhager Land

Eintritt frei!

 

Donnerstag, 25. April, 19 Uhr Ausstellungseröffnung

bis Sonntag, 21. Juli

Ausstellung

 Sonderausstellung: Magie und Aberglaube im Mittelalter 

Einführung in die Ausstellung: Dr. Alice Selinger

 

Sonntag, 19. Mai, 14-17 Uhr

Familientag

Internationaler Museumstag

14 Uhr: Mittelalterlicher Bogenbau mit Michael Stiller, Ippinghausen 

16 Uhr: Barbara Rüffert erzählt Märchen

Selbstgebackener Kuchen, Kaffee und gekühlte Getränke und gute Laune

Eintritt frei!

 

Donnerstag, 13. Juni, 19 Uhr

Vortrag / Lesung / Gespräch - Himmel hilf!

Vortrag: Dr. Tillmann Bendikowski, Hamburg: Himmel hilf! Warum wir Halt in übernatürlichen Kräften suchen

(gemeinsam mit der Buchhandlung Mander)

Eintritt 5 Euro, SchülerInnen und Studierende frei

 

Anfang Juli

Ausstellung

Ausstellung von Schülerarbeiten, Wahlunterricht Kunst Klasse 10 der Walter-Lübcke-Schule mit Karin Balkenhol

 

Donnerstag, 12. September, 19 Uhr

Vortrag - Die große Welt im kleinen Format

Prof. Dr. Sabine Thümmler, Berlin: Die große Welt im kleinen Format. Möbelstile in Wolfhager Puppenstuben zwischen Historismus und Neuer Sachlichkeit.

Eintritt 3 Euro, Mitglieder des Museumsvereins, SchülerInnen und Studierende frei

 

Sonntag, 6. Oktober, 15 Uhr-16.30 Uhr

Musik

Mittelalterliche Musik mit Korydwenn, Ippinghausen

Einritt frei, Spenden erbeten!

 

 

 
Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.
 
Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.