Mittwoch, 15 Januar 2020 11:41

Exponat des Monats Januar 2020

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Hermann Neumeyer vor dem Fachwerkmodell der ehemaligen Schreinerei Hermann Neumeyer vor dem Fachwerkmodell der ehemaligen Schreinerei Norbert Müller

Die ehemalige Schreinerei Gerhardt in der Wolfhager Maufiusstraße

Von Hermann Neumeyer

In der Fachwerkabteilung des Wolfhager Regionalmuseums befindet sich unter den Modellen der Handwerkerhäuser auch ein Modell der über mindestens vier Generationen hinweg bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in der Wolfhager Maufiusstraße ansässigen Schreinerei Gerhardt.

Es handelt sich um einen Dreiständerbau von 1709, dessen zwei Zonen von der Giebelseite erschlossen werden. Auf der linken Seite gelangt man zunächst in eine dem niederdeutschen Hallenhaus nachempfundene Arbeitsdiele. Rechts daneben schließt sich ein etwas höher gelegener Küchen- und Wohnbereich an. Der auch bei Handwerkerhaushaltungen zur Versorgung mehrerer Generationen notwendige landwirtschaftliche Nebenerwerb mit Viehhaltung konzentriert sich zusammen mit den Kellerräumen auf die von der Straße aus zugängliche talseitige Steinsockelzone. Von der Diele führt eine Treppe in die Schlafräume des Obergeschosses. Darüber lagert Erntegut im Dachraum, den man durch eine Luke oben in der Diele oder ein Fenster im Dachgiebel erreichen kann. Die beiden Geschosse des Giebels sind in Rähmbauweise mit kurzen Stichbalken einzeln abgezimmert. Dabei treten noch keine Gratstichbalken auf. Das Dach ist ein Kehlbalkendach, das von einem stehenden Stuhl getragen wird. 
    In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfährt das Handwerkerhaus, ermöglicht durch ein steigendes Einkommen und bedingt durch den Zwang zur Investition, eine dreifache Erweiterung:
Zunächst wird der ältere Hinterhausspeicher abgerissen und durch einen neuen rückseitigen Speicher ersetzt. In ihm werden die nunmehr erweiterte Schreinerwerkstatt im Untergeschoss und ein Lagerraum im Obergeschoss untergebracht. Dann wird talseitig für die Erweiterung der Viehhaltung und die Lagerung des vermehrten Erntegutes ein seitlicher Anbau mit einem Zwerchhaus im Dachbereich vorgenommen. Auch bergseitig wird ein weiterer Giebel hinzugefügt, wobei die Abzimmerung hier allerdings nicht fachgerecht ist. 
    Heinrich Gerhardt und sein Sohn Karl hatten sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts auf die Anfertigung von Möbeln und Türen spezialisiert und dabei auch erfolgreich Schablonen-Schmuckmotive der Möbelindustrie, die nach Katalogen zu bestellen waren, für ihre eigenen Arbeiten übernommen. Als jedoch die Konkurrenz der inzwischen aus der Enge der Wolfhager Altstadt ausgesiedelten Schreinereibetriebe und das Gewicht der Möbelindustrie immer größer wurden, sank Karl Gerhardt zum Reparatur- und Sargschreiner herab. Der letzte von ihm hergestellte Sarg blieb unvollendet und ist in der Abteilung der Handwerksstuben ausgestellt.
    Einige Jahrzehnte zuvor wurden auch noch Haustreppen gebaut. Dazu wurde vor allem ein Staketen-Lochbohrer eingesetzt und im Handbetrieb unter Einsatz eines Getriebes verwendet. Mit diesem Gerät konnten im Treppenbau Staketenlöcher für das Treppengeländer in einem beliebigen Winkel zur flexibel einstellbaren Grundfläche gebohrt werden. Offenbar wurde in dieser Werkstatt Gerhardt noch alles in althergebrachter Weise mit Handwerkzeugen hergestellt und verrichtet.     
    Außer der Schreinerwerkstatt findet sich im Dachgeschoss des Renthofs auch eine vollständig eingerichtete Schusterwerkstatt neben anderen wesentlichen Beiträgen zum Thema „Handwerk und Zünfte“.
        
 

Gelesen 3108 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 15 Januar 2020 11:46

Veranstaltungen

-Jahresprogramm 2022-

Donnerstag, 15. September, 18 Uhr bis 30. Oktober
Sonderausstellung: „Wen interessiert denn sowas? Hans Stadens Brasilienreisen im 16. Jahrhundert; 18 Uhr Ausstellungseröffnung, Open-Air-Veranstaltung mit Pedro Soriano und Kollegen, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 27. September, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Franz Obermeier, Kiel: Das neu entdeckte Original von Stadens Warhaftiger Historia in Halle (Arbeitstitel). Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 18. Oktober, 19.00 Uhr
Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Newen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 8. November, 19 Uhr
Vortrag: Klaus Lindenmeyer, Mainz: „Vom Einzeller zum Sapiens, oder: Was haben wir von wem?“. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 15. März, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Jürgen Römer, Korbach: Armenien – Land zwischen Orient und Okzident. Ort: Sitzungssaal Hotel-Restaurant-Café „Altes Rathaus“, Kirchplatz 1,  Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung erforderlich: Museum: Tel. 05692-992431; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Sonntag, 15. Mai (Internationaler Museumstag)
Sonderausstellung bis 14. Juli: „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“, mit Blick auf „Schönheit im Wolfhager Land“
14:00 Uhr Ausstellungseröffnung: 14 Uhr; Open-Air-Veranstaltung, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Axel Lindloff, Edertal: Von der Last des Rasierens bis zur Lust des Barttragens – ein Blick auf männliche Schönheitsideale des 19./20. Jahrhunderts und das Wolfhager Friseurhandwerk. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel


Alle Veranstaltungen finden unter Einhaltung der jeweils aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen statt.

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.