Donnerstag, 24 Januar 2013 12:57

"Legalisierter Raub" eröffnet

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"Legalisierter Raub" eröffnet

„Legalisierter Raub“ heißt die Ausstellung, die seit dem 17. Januar bis zum 7. April im Regionalmuseum Wolfhager Land zu sehen ist. Sie zeigt die Schicksale jüdischer Familien auf, die unter dem Nazi-Regime ausgeplündert wurden und alles verloren - auch im Wolfhager Land. „Das Besondere dieses Raubes war seine scheinbare Legalität. Alles wurde durch Gesetze und Verordnungen geregelt und so machten auch Finanzbeamte mit, die nicht Mitglied der Nationalsozialistischen Partei waren“, so Dr. Katharina Stengel vom Fritz Bauer Institut in Frankfurt/M. bei der Eröffnung der Ausstellung am 16. Januar.


Die Ausstellung in Wolfhagen zu zeigen, ist für uns sehr wichtig, betonte Dekan Dr. Gernot Gerlach bei der Begrüßung der rund 150 Gäste im Gemeindesaal der Evangelischen Kirchengemeinde. Nicht Anklagen und Schuldzuweisungen sollen im Vordergrund stehen, sondern Aufklärung und Reflexion. Landrat und Schirmherr der Ausstellung Uwe Schmidt stellte die Bedeutung regionaler Museen für die Aufarbeitung auch dieses Teils unserer Geschichte heraus. Dr. Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen appellierte an Zivilcourage, Respekt und Ehrlichkeit gegenüber Andersdenkenden und Menschen aus anderen Kulturkreisen und schlug damit den Bogen zu heutigen Themen.

Bürgermeister Reinhard Schaake wies auf die Aktivitäten der Stadt Wolfhagen hin, die über die reine Erinnerungsarbeit weit hinaus reichen. Es bestehen gute persönliche Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgern und ihren Nachkommen. Im Februar werden Lutz Kann aus Berlin sowie die Familien Mollerick und Stulmann aus den USA anreisen. Lutz Kann und Ralph Möllerick werden zudem am 13. Februar die Ehrenbürgerrechte der Stadt Wolfhagen verliehen.

Museumsleiterin Beate Bickel bedankte sich bei den zahlreichen Unterstützern und Partnern. Die Ausstellung des Fritz-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks wurde von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstützt. Die regionale Präsentation erhielt von zahlreichen Partnern Hilfe, finanziell und personell. Beteiligt waren beispielsweise die Sparkassenstiftung Landkreis Kassel-Kultur, die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, die Ernst Ludwig Chambré Stiftung zu Lich oder die vhs Region Kassel.

 Texte und Fotos dokumentieren die historischen Hintergründe, die Grundlage für die scheinbar legale Ausbeutung der jüdischen Bevölkerung in Hessen waren. Es konnten darüber hinaus Einzelschicksale ehemaliger Wolfhager, Zierenberger und Volkmarser Bürger aufgespürt werden, erläuterte Dr. Katharina Stengel: dies auch dank der Mitarbeit von Schülern der Wilhelm-Filchner-Schule mit ihrem Lehrer Marcus von der Straten und von Ernst Klein vom Verein „Rückblende gegen das Vergessen“ in Volkmarsen. „Die Ausstellung macht Geschichte greifbar: Fotos, persönliche Gegenstände der enteigneten Familien und Dokumente der Finanzämter zeigen den Leidensweg der Menschen und lösen Betroffenheit aus“, so Stengel.

 Betroffen machte bei der Eröffnungsveranstaltung auch die Lesung von Helge Heynold vom Hessischen Rundfunk. Er las sehr eindringlich aus originalen Dokumenten, wie einem Schreiben der Gestapo an die Juden, die ab 1941 systematisch in die Vernichtungslager deportiert wurden.

 Dietlind Roll, Maike Gränzdörffer und Dr. Ingeborg Eick-Prinz sorgten für die musikalische Gestaltung der Veranstaltung.

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

 

Sind in Ihrer Familie Gegenstände überliefert, die jüdische Familien vor der Auswanderung oder Deportation ihren Nachbarn zur Aufbewahrung übergeben haben? Besitzen Sie Briefe, Fotografien oder andere Zeugnisse, die von ehemaligen jüdischen Nachbarn erzählen? Wurden in Ihrer Familie Gegenstände vererbt, die auf öffentlichen Versteigerungen so genannten „nicht arischen Besitzes“ erworben wurden?

Dann sprechen Sie uns bitte an:

Beate Bickel

Regionalmuseum Wolfhager Land

Ritterstr. 1

34466 Wolfhagen

Tel.: 05692-992431

E-Mail: info@regionalmuseum-wolfhager-land

 

Gelesen 65815 mal Letzte Änderung am Sonntag, 03 Februar 2013 09:39

Veranstaltungen

-Jahresprogramm 2022-

Dienstag, 18. Oktober, 19.00 Uhr
Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Newen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erbeten; Eintritt: 3 €. Freier Eintritt für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten.
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 8. November, 19 Uhr

FÄLLT WEGEN KRANKHEIT AUS!
Vortrag: Klaus Lindenmeyer, Mainz: „Vom Einzeller zum Sapiens, oder: Was haben wir von wem?“. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

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Dienstag, 15. März, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Jürgen Römer, Korbach: Armenien – Land zwischen Orient und Okzident. Ort: Sitzungssaal Hotel-Restaurant-Café „Altes Rathaus“, Kirchplatz 1,  Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung erforderlich: Museum: Tel. 05692-992431; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Sonntag, 15. Mai (Internationaler Museumstag)
Sonderausstellung bis 14. Juli: „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“, mit Blick auf „Schönheit im Wolfhager Land“
14:00 Uhr Ausstellungseröffnung: 14 Uhr; Open-Air-Veranstaltung, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Axel Lindloff, Edertal: Von der Last des Rasierens bis zur Lust des Barttragens – ein Blick auf männliche Schönheitsideale des 19./20. Jahrhunderts und das Wolfhager Friseurhandwerk. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Donnerstag, 15. September, 18 Uhr bis 30. Oktober

Sonderausstellung: „Wen interessiert denn sowas? Hans Stadens Brasilienreisen im 16. Jahrhundert; 18 Uhr Ausstellungseröffnung, Open-Air-Veranstaltung mit Pedro Soriano und Kollegen, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 27. September, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Franz Obermeier, Kiel: Das neu entdeckte Original von Stadens Warhaftiger Historia in Halle (Arbeitstitel). Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel


Alle Veranstaltungen finden unter Einhaltung der jeweils aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen statt.

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.