Sonntag, 10 März 2013 11:47

Exponat des Monats März 2013

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Abb.1: Die Halskette gehörte Lieselotte Michel aus Volkmarsen. Ihre Mutter hatte sie dem Nachbarskind Josefine Langer geschenkt. Abb.1: Die Halskette gehörte Lieselotte Michel aus Volkmarsen. Ihre Mutter hatte sie dem Nachbarskind Josefine Langer geschenkt.

Nur eine Halskette…

Eine schlichte Halskette: orangerote geriffelte Kunststoffperlen, geteilt durch transparente Scheiben, dazwischen blauschwarz glänzende Perlchen als Abstandhalter; dies alles aufgereiht auf einer einfachen Schnur mit Federringverschluss. Und doch verbirgt sich hinter diesem Schmuckstück eine Geschichte, wie sie tragischer kaum sein kann.

Die Nationalsozialisten sind an der Macht. Es ist ihnen gelungen, eine brutale Diktatur in Deutschland zu errichten. Ihr Hass richtet sich vor allem gegen Minderheiten. Juden, Sinti oder Roma werden ebenso gnadenlos verfolgt, wie alle Menschen, die nicht dem propagierten Typus entsprechen. Ein Aspekt der Verfolgung, der in erster Linie die jüdische Bevölkerung betrifft, ist die systematische Zerstörung der materiellen Existenzgrundlage durch die Einführung von Sondersteuern und –abgaben. Daneben gibt es Diskriminierungen in Form von Verboten, die die Betroffenen vom gesellschaftlichen Leben ausschließen und nicht zuletzt gewaltsame Übergriffe wie bei den Novemberpogromen 1938. Es herrscht ein Klima der Angst. Die es sich leisten können, verlassen Deutschland oder versuchen, zumindest ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.

Es gibt die Möglichkeit der Kindertransporte. Einige Nachbarländer haben, nachdem die Greueltaten der Novemberpogrome 1938 bekannt geworden sind, ihre meist strengen Einreisebestimmungen für jüdische Kinder gelockert. Die Kinder werden nach Großbritannien, Belgien, die Niederlande oder Frankreich geschickt und dadurch meist gerettet.

Nicht so Lieselotte Michel aus Volkmarsen, die Besitzerin der Kette. Sie kann zwar zunächst der Gefahr entgehen. Ihre Mutter und ihre Großeltern lassen sie – zwölfjährig - mit einem ebensolchen Kindertransport in die Niederlande reisen. Doch die Sicherheit währt nicht lange. Deutsche Truppen besetzen die Niederlande im Mai 1940. Lieselotte kann zunächst von Einheimischen versteckt werden. Sie wird aber schließlich doch entdeckt. Man bringt sie in das Konzentrationslager Westerbork. Von hier aus wird sie in das deutsche Vernichtungslager Sobibor in Polen deportiert und noch am Tag ihrer Ankunft am 26.3.1943 ermordet. Ihre Mutter und ihre Großeltern hatten hier bereits ein Jahr zuvor sterben müssen.

Nur eine Kette… wurde von der Volkmarser Bürgerin Josefine Langer an Ernst Klein vom Verein „Rückblende – Gegen das Vergessen“ weitergereicht. Lieselottes Mutter hatte sie ihr kurz vor ihrer eigenen Deportation geschenkt. Im Rahmen der Ausstellung „Legalisierter Raub“ haben die Kette und die dazugehörige Geschichte ihren Weg ins Regionalmuseum Wolfhager Land gefunden.

Die Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“ können Sie noch bis Sonntag, 7. April im Regionalmuseum Wolfhager Land besichtigen.

Beate Bickel

Kontakt: www.regionalmuseum-wolfhager-land.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.


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Abb. 2: Josefine Langer überreicht Ernst Klein die Halskette aus ursprünglich jüdischem Besitz. Sie ist monmantan in der Ausstellung „Legalisierter Raub“ zu sehen.

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Abb. 3: Lieselotte Michel mit Mutter und Großmutter um 1932.

Gelesen 63787 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 21 März 2013 11:03

Veranstaltungen

-Jahresprogramm 2022-

Dienstag, 18. Oktober, 19.00 Uhr
Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Newen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erbeten; Eintritt: 3 €. Freier Eintritt für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler und Studenten.
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 8. November, 19 Uhr

FÄLLT WEGEN KRANKHEIT AUS!
Vortrag: Klaus Lindenmeyer, Mainz: „Vom Einzeller zum Sapiens, oder: Was haben wir von wem?“. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

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Dienstag, 15. März, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Jürgen Römer, Korbach: Armenien – Land zwischen Orient und Okzident. Ort: Sitzungssaal Hotel-Restaurant-Café „Altes Rathaus“, Kirchplatz 1,  Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung erforderlich: Museum: Tel. 05692-992431; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Sonntag, 15. Mai (Internationaler Museumstag)
Sonderausstellung bis 14. Juli: „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“, mit Blick auf „Schönheit im Wolfhager Land“
14:00 Uhr Ausstellungseröffnung: 14 Uhr; Open-Air-Veranstaltung, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Axel Lindloff, Edertal: Von der Last des Rasierens bis zur Lust des Barttragens – ein Blick auf männliche Schönheitsideale des 19./20. Jahrhunderts und das Wolfhager Friseurhandwerk. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Donnerstag, 15. September, 18 Uhr bis 30. Oktober

Sonderausstellung: „Wen interessiert denn sowas? Hans Stadens Brasilienreisen im 16. Jahrhundert; 18 Uhr Ausstellungseröffnung, Open-Air-Veranstaltung mit Pedro Soriano und Kollegen, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 27. September, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Franz Obermeier, Kiel: Das neu entdeckte Original von Stadens Warhaftiger Historia in Halle (Arbeitstitel). Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel


Alle Veranstaltungen finden unter Einhaltung der jeweils aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen statt.

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.