Donnerstag, 14 März 2019 09:31

Exponat des Monats März 2019

Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Der Autor Hermann Neumeyer mit der historischen Dose Der Autor Hermann Neumeyer mit der historischen Dose Privat

Kautabakkrug aus der früheren Gaststätte „Deutschen Haus“ in Wolfhagen

Von Hermann Neumeyer

Im Rahmen der Ausstellung zur Weimarer Republik, die am 15. August 2019 eröffnet wird, zeigt das Regionalmuseum unter anderem einen Kautabakkrug für die Aufbewahrung von Kautabak. Dieser wurde von Renate Baur, aufgewachsen im Haus der ehemaligen Wolfhager Gaststätte „Deutsches Haus“, für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Der 23 cm hohe Krug hat einen Durchmesser einschließlich der beiden Seitengriffe von 20 cm. Auch am Deckel befindet sich ein Griff. Hergestellt wurde der Krug in einer Töpferei des Kannenbäckerlandes im Westerwald um 1920.
Die ausgedehnten Tonvorkommen des Westerwaldes sind die größten zusammenhängenden Lagerstätten in Europa. Es sind weltweit nur wenige Regionen bekannt, in denen Tone in vergleichbarer Menge und Qualität vorkommen. Vor 40 Millionen Jahren im Tertiär befand sich nämlich der Westerwald in Äquatornähe, so dass durch die tropische Verwitterung der feldspathaltigen Gesteine des Westerwaldes die Tonminerale der heutigen Tone entstanden. 
Obwohl auch am Südharz im Raum Nordhausen und an der Werra Tabak angebaut wurde, zog man es in unserer Region doch vor, für Kautabak besondere Importtabake aus den USA zu verwenden. Über Bremerhaven kam die Tabakfracht weseraufwärts bis nach Hannoversch Münden und Wanfried, den Endpunkten der Weser-Werra-Schifffahrt. In Hannoversch Münden stand eine der letzten Kautabakfabriken Deutschlands, Fischer und Herwig. Für sie wurde der Krug hergestellt. Das schöne, eingebrannte Emblem dieser Fabrik mit dem Fischer beim Fischfang sticht auf dem Krug besonders hervor. 
Der Krug zeigt eine hochwertige Salzglasur, für die gerade das Kannenbäckerland sich einen Namen gemacht hat. Doch was ist eine Salzglasur? Normalerweise wird auf die geformten und getrockneten Tonarbeiten eine Glasur aufgetragen und anschließend erst beim sogenannten Glasurbrand eingebrannt. Bei der Salzglasur ist das anders. Hier werden die Werkstücke zuvor nicht glasiert. Stattdessen entsteht die Salzglasur dadurch, dass das Salz erst während des Brennvorgangs in den Brennofen gegeben wird. Hier führt das Zusammenspiel aus Hitze, Wasser und Salz zu chemischen Reaktionen. So lösen sich die Salzkristalle explosionsartig auf und Natriumdämpfe entstehen. Diese legen sich auf die Gefäße. Gleichzeitig verbindet sich das frei werdende Natrium mit dem im Ton enthaltenen Quarz zu einem Silikat. Genau dieses Silikat bildet die Salzglasur und verleiht den Gefäßen sowohl ihr charakteristisches Aussehen als auch einige wichtige Eigenschaften. So sind salzglasierte Gefäße widerstandsfähig, wasserdicht, säurebeständig und geschmackserhaltend, genauso wie man es sich für ein Aufbewahrungsgefäß für Kautabak, sei es in der Form von Rollen, Stangen oder Streifen, wünscht.
Doch was ist eigentlich Kautabak? Er ist ein Genussmittel und besteht aus verarbeitetem und mit Zusatzstoffen versetztem Tabak. Dieser wird im Mund zwischen Wange und Kiefer gehalten, bei Bedarf hin und wieder gekaut und am Ende in besondere Behälter ausgespuckt. Der Hauptwirkstoff Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Kautabak gehört wie Schnupftabak zu den rauchfreien und damit die Atemwege weniger belastenden Tabakwaren.
Früher war Kautabak bei den Seeleuten sehr verbreitet, da auf den hölzernen Segelschiffen wegen der Brandgefahr aus Sicherheitsgründen das Rauchen strikt verboten war und man aber auch nicht auf die stimulierende Wirkung des Tabaks verzichten wollte. Christoph Columbus hatte bei seinen Entdeckungsreisen nicht nur die Tabakpflanze entdeckt und nach Europa gebracht, sondern auch beobachtet, dass die Indianer daraus hergestellte Tabakkugeln kauten, die noch zusätzlich mit Muschelkalk versetzt waren. Daraus entwickelte sich dann in Europa der Kautabak.

Gelesen 737 mal

Veranstaltungen

Jahresplanug 2020

Donnerstag, 12. März., 19 Uhr
Dr. Cornelia Kurz, Naturkundemuseum Kassel: Leben in der Urzeit - Fossile Highlights aus über 400 Millionen Jahren Erdgeschichte im Wolfhager Land und angrenzenden Regionen

17. oder 18. Woche = Ende April, 19 Uhr
PD Dr. Rainer Schoch, Naturkundemuseum Stuttgart: Die Vorfahren der Dinos: Deutsche Saurier der Trias

Sonntag, 17. Mai, Internationaler Museumstag, ab 14 Uhr
„Zwischen Feuerbergen und Saurierspuren“
Eröffnung der neugestalteten Abteilung Geologie / Paläontologie

Donnerstag, 3. September, 19 Uhr
Vortrag: Prof. Dr. Bernd Schöne, Mainz: Gestrandet an Nordhessischen Meeresufern – Der Kasseler Meeressand

Donnerstag, 22. Oktober, 19 Uhr bis 22. November 2020
Ausstellungseröffnung: „Wir lieben die Berge“. 150 Jahre Deutscher Alpenverein, 132 Jahre Sektion Kassel, 10 Jahre Kletterzentrum Nordhessen.

Alle Veranstaltungen mit freundlicher Unterstützung der Kasseler Sparkasse und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel. Die neu gestaltete Abteilung mit Unterstützung des Hess. Museumsverbandes. Vielen Dank!