Mittwoch, 21 August 2019 08:40

Exponat des Monats August 2019

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Türsturz aus dem ehemaligen Hospital Türsturz aus dem ehemaligen Hospital Jens Döll, HNA

Türsturz aus der Hospitalskapelle von Wolfhagen aus dem 15. Jahrhundert

von Hermann Neumeyer

In der Abteilung „Kirche im Mittelalter“, die im Wolfhager Regionalmuseum im Gewölbekeller des Renthofes untergebracht ist, befindet sich noch ein Türsturz aus der Kapelle des alten Wolfhager Hospitals, der dort vermutlich im 15. Jahrhundert eingemauert wurde. Hospital und Kapelle wurden bereits in der Zeit von 1332 bis 1337 am Neuen Tor errichtet. Im Jahr 1931 wurde der seit der Reformation ungenutzte Kapellenbau um ein Joch zur Friedhofskapelle erweitert.

Die zweizeilige Inschrift in gotischen Minuskeln, deren Text noch auf die Zeit vor Luthers Bibelübersetzung zurückgeht, lautet: „bereyt Dyn Hus went Du mott sterben  isaia 38“. Luther übersetzte diesen Text aus dem 38. Kapitel des Buches Jesaja aus dem Alten Testament mit den Worten: „Bestelle dein Haus, wenn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben“. Der Text geht auf den Besuch des Propheten Jesaja beim König Hiskia von Juda zurück, dem nach der Erfüllung dieser in der Inschrift genannten Pflicht am Lebensende noch weitere 15 Jahre nach schwerer Krankheit geschenkt wurden. Die Inschrift wird von einem Totenkopf und Knochen als Zeichen des Todes eingerahmt. Außerdem ist ein Steinmetzzeichen eingekerbt. 
Ursprünglich übernahmen die Klöster neben ihrem geistlichen Auftrag auch Aufgaben christlicher Nächstenliebe mit Kranken- und Armenpflege, Beherbergung und Hilfe in der Not. In den neuen Gründungsstädten des 13. Jahrhunderts, zu denen auch die im Jahr 1231 von dem Thüringer Landgrafen Konrad gegründete Stadt Wolfhagen gehört, widmeten sich nun die Bürgerschaften in ihrem kirchlichen Selbstverständnis diesen sozialen Aufgaben. Sie gründeten Hospitäler, die zunächst Siechenhäuser genannt wurden, und vor der Stadtmauer so genannte Sondersiechenhäuser für Aussatz- und Leprakranke, wie es auch in Wolfhagen vor dem Koppenberg geschah.
In Wolfhagen löste die Bezeichnung „Hospital“ nach 1648 den Begriff „Siechenhaus“ ab, da neben „siechen“ Leuten immer mehr betagte und einsame Bürger, die sich in das Hospital einkaufen konnten, dort einzogen. In dieser Zeit entstand vermutlich auch das auf alten Fotos noch zu sehende Hospitalsgebäude, dessen Fachwerkobergeschosse auf massiven Untergeschossen standen.
Durch Stiftungen, Schenkungen und Erbnachlässe vergrößerte sich das Hospitalsvermögen, so dass sogar Marburger Studenten aus Wolfhagen Stipendien bekommen konnten. Ebenso konnten unschuldig in Not geratene Bürger vom Hospital Kredite bekommen.
Für die Hospitalsinsassen wurden im Hospital Gottesdienste und Messen, die dem Seelenheil dienten, in einem besonderen Andachtsraum abgehalten. Das Anliegen dieses Andachtsraumes greift der Text des Propheten Jesaja auf dem vorgestellten Türsturz auf.
Das Hospitalsgebäude aus dem 17. Jahrhundert wurde im Jahr 1905 durch den heute noch städtebaulich hervortretenden, repräsentativen gründerzeitlichen Neubau ersetzt. Dort ging man auch weiterhin den traditionellen Aufgaben eines Hospitals bis zum Jahr 1963 nach. Dann übernahm der Landkreis Kassel das Gebäude und richtete dort zunächst ein Schülerinternat der Wilhelm-Filchner-Schule ein. Nach der Gründung der „Stiftung Altersheim Wolfhagen“ im Jahr 1964 entstand in der Karlstraße ein modernes Alters- und Pflegeheim, das die Tradition des Hospitals weiterführt.

Gelesen 2752 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 21 August 2019 08:48

Veranstaltungen

-Jahresprogramm 2022-

Donnerstag, 8. September bis 30. Oktober
Sonderausstellung: „Wen interessiert denn sowas? Die ‚Warhaftige Historia‘ Hans Stadens und ihre Leserschaft“; 19 Uhr Ausstellungseröffnung, Open-Air-Veranstaltung, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 27. September, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Franz Obermeier, Kiel: Das neu entdeckte Original von Stadens Warhaftiger Historia in Halle (Arbeitstitel). Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 18. Oktober, 19.00 Uhr
Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Newen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 8. November, 19 Uhr
Vortrag: Klaus Lindenmeyer, Mainz: „Vom Einzeller zum Sapiens, oder: Was haben wir von wem?“. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Dienstag, 15. März, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Jürgen Römer, Korbach: Armenien – Land zwischen Orient und Okzident. Ort: Sitzungssaal Hotel-Restaurant-Café „Altes Rathaus“, Kirchplatz 1,  Teilnehmerzahl begrenzt, Anmeldung erforderlich: Museum: Tel. 05692-992431; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel

Sonntag, 15. Mai (Internationaler Museumstag)
Sonderausstellung bis 14. Juli: „Was ist schön? Weibliche Schönheitsideale im Wandel der Zeit“, mit Blick auf „Schönheit im Wolfhager Land“
14:00 Uhr Ausstellungseröffnung: 14 Uhr; Open-Air-Veranstaltung, Eintritt frei, um Spenden wird gebeten

Dienstag, 28. Juni, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Axel Lindloff, Edertal: Von der Last des Rasierens bis zur Lust des Barttragens – ein Blick auf männliche Schönheitsideale des 19./20. Jahrhunderts und das Wolfhager Friseurhandwerk. Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstr.1, Zehntscheune, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich; Eintritt: 3 €
In Kooperation mit der VHS Region Kassel


Alle Veranstaltungen finden unter Einhaltung der jeweils aktuell geltenden Corona-Schutzmaßnahmen statt.

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.