Mittwoch, 25 August 2021 09:18

Exponat des Monats August 2021

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Zange für schwere Lasten im Museum Zange für schwere Lasten im Museum Dr. Axel Lindloff

Steinzange mit Lastenrolle

Hermann Neumeyer

In der Abteilung Handwerk und Zünfte des Regionalmuseums Wolfhager Land ist bei den Werkzeugen und Arbeitsgeräten u. a. eine mit einer Lastenrolle verbundene Steinzange ausgestellt.

Diese stammt aus dem heute nicht mehr existierenden Wolfhager Baugeschäft Hartmann. Als dessen Inhaber sich anlässlich einer Führung im Museum aufhielt und ihm in der Burgenabteilung ein abgebildetes mittelalterliches Modell solch einer beim Burgenbau eingesetzten Lastenzange präsentiert wurde, verwies er auf seine eigene, im Betrieb nicht mehr gebrauchte Lastenzange, die er anschließend spontan dem Museum übereignete.  
Die Steinzange mit Lastenrolle benötigte man zum Hochziehen von schweren Steinen, was im Mittelalter vor allem beim Burgenbau notwendig war. Über ein Rollensystem eines Lastarmes zogen Pferdegespanne oder menschliche Kräfte die von der Steinzange aufgegriffene Steinlast nach oben. Die hier gezeigte Steinzange stammt zwar aus dem 20. Jahrhundert, doch lässt der Vergleich mit Stichen aus dem Mittelalter den Schluss zu, dass sich die Form der Steinzange schon sehr früh herausgebildet und nicht mehr verändert hat.
Bis zum späten 12. Jahrhundert zog man beim Bau von Burgen Steinquader auf hölzernen Gestellen oder mit einem so genannten „Wolf“ nach oben. Dieser Wolf ist ein mehrteiliges Eisen, das von oben in ein zuvor eingehauenes trapezförmiges Loch im Steinquader eingeführt und durch Keile auseinandergespreizt wird, so dass man den Steinquader gefahrlos nach oben ziehen kann. Um 1200 verbreitete sich dann, ausgehend vom Elsass, als neues Hebewerkzeug die Steinzange. Bei ihr benötigte man zwei kleine Löcher im Quader, in die die Zange eingreifen kann. Durch das Gewicht des Quaders schließt sich beim Heben die Zange. Dass die Zangenlöcher nach dem Verbauen sichtbar blieben, störte damals nicht. Für uns sind sie heute eine wichtige Datierungshilfe, um nachzuweisen, wann die Zange in einer bestimmten Region eingeführt wurde. Diese Zangenlöcher kennzeichnen noch heute  mittelalterliches Mauerwerk.
Für die Steinbearbeitung wurde am Rande des Bauplatzes ein überdeckter Arbeitsplatz, die sogenannte Bauhütte, geschaffen. Dorthin wurden die Steine geschafft, damit die Steinmetze daraus regelmäßige Quader schlagen konnten. Bevor diese aufgesetzt werden konnten, musste der Untergrund vorbereitet werden. Hierfür wurden in den anstehenden Fels Bänke oder Abtreppungen geschlagen, so dass das Mauerwerk überall ein sicheres Fundament hatte, wie es etwa stellenweise der Basalt für die Weidelsburg ist. Solche Felsbearbeitungen zeigen heute oft noch den Verlauf der Mauer und deren Stärke an, auch wenn diese bereits verschwunden ist.
Die Mauern von Burgtürmen und Ringmauern konnten mehrere Meter stark sein und wurden fast immer in Zweischalentechnik errichtet. Die Arbeiter zogen die innere und äußere Front der Mauer entweder aus Quadern mit einer sorgfältig geschlagenen Oberfläche oder aus sorgfältig gesetzten Bruchsteinen hoch. Anschließend verfüllten sie den Kern mit unbehauenem Steinmaterial und viel Mörtel. Es war aus Gründen der Stabilität immer wieder notwendig, auf diese Weise die beiden Mauerschalen untereinander und mit dem Mauerkern zu verbinden. Mit besonderer Sorgfalt wurden die Kanten der Mauern hochgezogen. Ihr exakter Verlauf prägte das Aussehen wesentlich, und ihre genaue Konstruktion trug zur Stabilität bei. Deshalb wurden häufig auch bei Bruchsteinmauern die Kanten aus sorgfältig geschichteten Quadern errichtet und die Eckquader durch besondere Oberflächen, zum Beispiel mit Buckeln oder Bossen, ausgezeichnet.
Bei normalen Bedingungen wurde eine Burg in 3 - 5 Jahren fertiggestellt, denn der Adlige, der die Burg errichtete, wollte diesen Bau ja selbst und zwar möglichst in wenigen Jahren nutzen. Deshalb waren an Burgenbaustellen mehr Arbeitskräfte konzentriert als an Kirchenbaustellen.

Gelesen 170 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 25 August 2021 11:01

Veranstaltungen

Jahresplanung 2021

Sonntag, 11.Juli, 14 bis 17 Uhr, Museumsfest mit Pedro Soriano und Candela. Lateinamerikanische Musik, Open Air! Die Künstler der aktuellen Sonderausstellung - Lothar Spohr und Lippold von Steimker - sind anwesend!

Ort: Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstraße 1, Eintritt frei, Spenden erbeten!

Ab Dienstag, 25. Juni, ab 10 Uhr dezentrale Eröffnung
bis Sonntag, 29. August
Ausstellung: Zwei Künstler aus dem Wolfhager Land: Lippold von Steimker und Lothar Spohr
Ort: Zehntscheune des Regionalmuseums Wolfhager Land, Ritterstraße 1

Dienstag, 13. Juli, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Dirk Ziesing, Bochum: Wolfhagen und der deutsch-französische Krieg vor 150 Jahren
Ort: Sitzungssaal des Alten Rathauses, Kirchplatz 1
Eintritt: 3 € Begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich!

Dienstag, 19. Oktober, 19 Uhr

Vortrag: Dr. Heiner Borggrefe, Lemgo: „Hans Staden in der „Neuwen Welt America“. Wie lebte die indigene Bevölkerung Brasiliens vor 450 Jahren.
Ort: Stadthalle Wolfhagen, Kurfürstenstraße 20
Eintritt: 3 €

Freitag, 05. November, 19.00 Uhr

Lesung: Thomas Fischermann, Hamburg und Rio de Janeiro: Der letzte Herr des Waldes. Ein Indianerkrieger aus dem Amazonas erzählt vom Kampf gegen die Zerstörung seiner Heimat und von den Geistern des Urwalds
Ort: Stadthalle Wolfhagen, Kurfürstenstraße 20
Eintritt: 8 € In Kooperation mit der VHS Region Kassel und der Buchhandlung Mander, Wolfhagen

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei für Mitglieder des Museumsvereins, Schüler/innen und Studierende. Bei der Lesung mit Thomas Fischermann ist der Eintritt für diese Personengruppen auf 4 € reduziert.

Unser Dank für freundliche Unterstützung gilt der Kasseler Sparkasse, der VHS Region Kassel, dem Hess. Museumverband und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel.