Mittwoch, 04 Dezember 2019 13:46

Exponat des Monats Dezember 2019

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Hans Stadens Gefangennahme. Acrylbild von Inge-Lore Bezzenberger nach dem Orginalholzschnitt aus Hans Stadens Warhaftiger Historia von 1557 Hans Stadens Gefangennahme. Acrylbild von Inge-Lore Bezzenberger nach dem Orginalholzschnitt aus Hans Stadens Warhaftiger Historia von 1557 Museum

Wie Hans Staden Weihnachten feiern wollte

von Wolfgang Schiffner

Die Luft war warm und feucht, als Hans Staden daran dachte, dass in Homberg bald Weihnachten war. Dort Schnee und kurze Tage, hier endlos blauer Himmel und sommerliche Temperaturen.

Aber es gab auch dauernd drohende Gefahr. Seit vielen Monaten war er hier mit zwei Indianersklaven an der Nordspitze der Insel Amaro in einem kleinen Blockhaus stationiert. Nur 500 Meter gegenüber lag an der Küste die Festung Bertioga, wo portugiesische Soldaten untergebracht waren. Alle hatten die Aufgabe, Angriffe der Tupinambá in ihren Booten auf die Siedlung Sao Vicente 25 Kilometer im Süden schon im Vorfeld zu verhindern. Doch seit über einem halben Jahr war alles ruhig geblieben, kein Angriff, nichts.
Als Staden im März 1553 in Sâo Vicente eintraf, hatte er Helidorus Hessus getroffen. Welch eine Überraschung! Er war der Sohn des großen Humanisten und neulateinischen Dichters Eobanus Hessus, im Jahr 1540 verstorbener Professor in Marburg. Heliodorus wurde später Schreiber in der landgräflichen Kanzlei in Kassel. Jetzt war er hier Aufseher in der Zuckerfabrik der Brüder Adorno aus Genua und leitete die Buchhaltung. Was lag näher, dass Staden im Gespräch mit Heliodorus einen Besuch vereinbarten. Einige Zeit später kam er mit einem Spanier für einige Tage zu Besuch. In der Adventszeit hörte er, dass Staden krank sei, und Heliodorus wollte ihn erneut besuchen. Staden war keineswegs krank, wie er uns berichtet, doch der Besuch so kurz vor Weihnachten war sicher sehr erwünscht.  
Staden war aufgestanden und war sich sicher, dass sein Besuch bald eintreffen würde. Aber was würde er ihm zum Essen vorsetzten? Natürlich sollte es neben den selbst angebauten Lebensmitteln auch Fleisch geben. Dafür musste man sich aufmachen und im Wald jagen. Staden hatte bereits am Tag zuvor seinen Leibeigenen losgeschickt, damit er Wild erlegen konnte. Er war an diesem Morgen noch nicht zurück und Staden wurde ungeduldig. Endlich entschloss er sich selber loszulaufen und ihn hoffentlich mit Beute zu finden.
Er war noch nicht weit gekommen, als er vielstimmiges Geschrei hörte. Sofort erkannte er: das waren die Tupinambá. Doch alles war zu spät, er konnte nicht entkommen, als er von den Feinden umringt wurde. Eine Waffe mitzunehmen hatte er vergessen; jetzt wurde er mit Pfeilen beschossen und verletzt. Er brach zusammen und konnte nur noch schreien: „Gott helfe meiner armen Seele.“ Man reißt ihm die Kleider vom Leib, ergreift ihn und schleppt ihn in ein Boot, in dem er nach Ubatuba gebracht wurde, in die Siedlung der Tupinambá.  
Auf dem Holzschnitt sieht man in der Mitte, wie Staden ergriffen wird, nicht weit von seinem Blockhaus. Stehend und betend erkennt man Staden im Boot der Tupinambá. Geschützfeuer aus dem gegenüber liegenden Brigiaco (Beritoga) können das nicht verhindern. Oben ist Sâo Vicente auf einer Insel angedeutet. Auf dem Festland befindet sich ein ingenio, eine Zuckerfabrik. Auch die Vögel, die hier davon fliegen, wird Staden später genau beschreiben.
Kein schönes Weihnachtsfest mit einem Freund, kein genüssliches Essen, keine hoffnungsvolle Zukunft. Alles brach für Staden zusammen und die Todesangst beherrschte ihn. Und doch, die Hoffnung auf Gott richtete ihn wieder auf. Feierte man nicht bald die Geburt des Erlösers? Würde nicht Gott und sein Sohn ihm helfen, ihn erretten, erlösen aus der Gewalt der Heiden? Diese zutiefst gläubige Haltung hat Staden die Gefangenschaft überstehen lassen, hat ihn zurück nach Hessen kommen lassen. Er wurde Bürger von Wolfhagen und veröffentlicht seine Erlebnisse 1557 in Marburg. Sie sind bis heute ein ergreifender Bericht über seine Erfahrungen in Brasilien.


    
         
    

Gelesen 839 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 04 Dezember 2019 13:50

Veranstaltungen

Jahresplanung 2020

 Donnerstag, 20 August, 17 Uhr
„Zwischen Feuerbergen und Saurierspuren“
Eröffnung der neugestalteten Abteilung Geologie / Paläontologie, Pressegespräch, nicht öffentlich!
Ab Dienstag, 25. August für die Allgemeinheit geöffnet, die ersten 50 Besucher erhalten freien Eintritt und einen Piccolo Sekt oder ein alkoholfreies Getränk
 
Donnerstag, 3. September, 19 Uhr
Vortrag: Prof. Dr. Bernd Schöne, Mainz: Gestrandet an Nordhessischen Meeresufern – Der Kasseler Meeressand
Im kleinen Sitzungssaal des Alten Rathauses Wolfhagen, Kirchplatz 1, begrenzte Teilnehmerzahl

Donnerstag, 22. Oktober, 19 Uhr bis 22. November 2020
Ausstellungseröffnung: „Wir lieben die Berge“. Wanderausstellung des Deutschen Alpenvereins Sektion Kassel

 

Donnerstag, 12. März, 19 Uhr
Vortrag: Dr. Cornelia Kurz, Naturkundemuseum Kassel: Leben in der Urzeit - Fossile Highlights aus über 400 Millionen Jahren Erdgeschichte im Wolfhager Land und angrenzenden Regionen

Sonntag, 17. Mai, Internationaler Museumstag, ab 14 Uhr: Erdgeschichte im Wolfhager Land - fällt leider zu diesem Termin aus. Wird so bald wie möglich nachgeholt!

Vortrag: Klaus Lindenmeyer, Flonheim: Vom Einzeller zum Sapiens oder "Was haben wir von wem?" Wird auf einen späteren Termin verschoben!

Alle Veranstaltungen mit freundlicher Unterstützung der Kasseler Sparkasse und der Kulturstiftung des Landkreises Kassel. Die neu gestaltete Abteilung mit Unterstützung des Hess. Museumsverbandes und des Geoparks Grenzwelten. Vielen Dank!